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Eine Solargrafie ist das radikalste Konzentrat von Dauer. Durch eine winzige Lochblende brennt sich das Sonnenlicht über bis zu 222 Tage schichtweise in photoempfindliches Silberpapier ein – ohne Akku, ohne Linse, ohne chemische Dunkelkammerentwicklung.
Aus gebrauchten 0.5-Liter Aluminiumdosen entstehen wetterfeste, lichtdichte Pinhole-Kammern. Eine mikroskopisch feine 0.2mm Nadelblende in Alufolie fungiert als f/150-Blende – komplett ohne optische Glaslinse, mit physikalisch nahezu unendlicher Schärfentiefe vom Nahbereich bis zum Alpenhorizont.
Reine Direktbelichtung auf analoges Schwarzweiss-Silbergelatine-Fotopapier über bis zu 222 Tage ohne Dunkelkammer-Chemiebad. Durch monatelange UV-Bestrahlung spaltet sich das Silberhalogenid im Papier physikalisch selbstständig ab (Photolyse). Die Spuren werden im Anschluss zerstörungsfrei hochauflösend digitalisiert.
Wolkenzüge, Nebelmeere und sonnige Tage zeichnen sich als seismografische Himmelsspur ein. Jeder bewölkte Tag hinterlässt eine Unterbrechung im Lichtbogen, dichte Nebeldecken im Mittelland dämpfen die Strahlung. So entsteht ein authentischer chronologischer Klimazeitzeuge.
Vom tiefsten Stand der Wintersonnenwende bis zum Zenit der Mittsommerhitze: 182 geschichtete Himmelsbögen spiegeln die Neigung der Erdachse (23.44°) über der Schweiz (47° N). Jeder einzelne Tag belichtet eine neue, infinitesimale Spur in das Silberhalogenid-Papier.